23. März 2012 Graz A, Singale, Kunst Uni
09. Mai 2012 Zürich CH, Kunstraum Walcheturm
24. Mai 2012 Basel CH, Gare du Nord
LUC DÖBEREINER / MARTIN LORENZ
NYQUIST PATTERNS

Musik für Tonband, Schlagzeug und Live-Elektronik im Umfeld von kompositorisch motivierter Klangsynthese und algorithmischer Komposition.

www.doebereiner.org



Der Komponist Herbert Brün (1918 – 2000) schrieb, dass es „eine Sache ist nach den Ereignissen zu suchen, die den Klang produzieren, den man möchte, und eine völlig andere die Klänge der Ereignisse, die man möchte, zu entdecken“. Was die verschiedenen Kompositionen für Schlagzeug, Tonband und Live-Elektronik, die „Nyquist Patterns“ zeigt, vereint, ist, dass sie dem zweiten Ansatz folgen. Anstatt eines vorherbestimmten Klangresultats, das dann die Mittel bestimmt, wird erforscht, welche Klänge ein bestimmter Kompositionsprozess erzeugen kann. Der Klang wird also als Spur eines Prozesses verstanden und nicht als zu realisierendes Ziel, dem die Mittel untergestellt sind. Klangsynthese orientiert sich hier nicht - wie oft der Standard - an der Simulation vorhandener Klänge, sondern schafft aus Kompositionsprozessen heraus neue. Daraus leitet sich auch der Begriff der kompositorisch motivierten Klangsynthese ab, die davon ausgeht, dass – wie Karlheinz Stockhausen schreibt –, „jeder Klang das Ergebnis eines kompositorischen Aktes ist“. Das Ziel ist, wie Herbert Brün schreibt, „die Komposition von Klängen, anstatt der Komposition mit Klängen“.

„Nyquist Patterns“ zeigt neue Werke für Schlagzeug und Elektronik von Luc Döbereiner und Martin Lorenz. In seiner Arbeit lotet Martin Lorenz die die Begrenzungen der digitalen Klangrepräsentation aus, indem er die Samplingrate des klangwiedergebenden Systems bis in den mittleren Hörbereich heruntersetzt und sie als eigenständigen musikalischen Parameter mitkomponiert. Sie bildet einen bestimmenden Kontrapunkt, der sich, während er Noise und Aliasing freisetzt, auf einer imaginären Ebene zu den Instrumental- und elektronischen Klängen in harmonischen Bezug setzt. Luc Döbereiner, knüpft an die Arbeiten von Iannis Xenakis und Herbert Brün im Bereich der „Non-Standard“-Klangsynthese an. In seinem neuem Werk für Schlagzeug und Live-Elektronik sollen die verschiedenen Modi in denen ein akustisches Instrument mit Elektronik in Beziehung gesetzt werden kann (Erweiterung, Unabhängigkeit, Integration in den Klangsyntheseprozess) zu formbestimmenden Parametern werden.

Das Programm stellt die beiden Uraufführungen in einen historischen Kontext elektronischer Tonband- und Schlagzeug-Musik, wie z.B. Iannis Xenakis' radikales Tonbandstück „S.709“ (1994), das er mit seinem eigens entwickelten Syntheseverfahren „GENDY“ erzeugt hat.
Es wird auch eine Stück für Schalgzeug-Solo gespielt, das von Lorenz und Döbereiner mit Gottfried Michael Koenigs historischem algorithmischen Kompositionsprogramm „Projekt 2” generiert wurde. Luc Döbereiner hat in den letzten zwei Jahren in Zusammenarbeit mit G.M. Koenig eine neue Version von „Projekt 2” implementiert. Das Programm, das von Koenig in den 60er-Jahren entwickelt wurde, basiert auf aleatorischen Prinzipien und erlaubt die Generierung von „Strukturvarienten” einer vom Komponisten erstellen „Strukturformel”, einer Menge von Grunddaten und Regeln, sowie einer Hierarchie der Parameter.

Daneben werden Karlheinz Stockhausens „Studie I“ (1953) gespielt, sowie „Psappha“ (1976) von Xenakis und Stücke für Tonband und Schlagzeug von Herbert Brün.